September 2025 – Februar 2026: Gemeinschaft über das Buch Hohelied – Mein Geliebter ist mein und ich bin sein
Das Hohelied beschreibt in acht Kapiteln die Liebesbeziehung zwischen dem König Salomo und seiner Geliebten Sulamith. Oft wird es auch das „Lied der Lieder“ genannt. Viel bedeutsamer als dieses Paar ist aber, dass das Hohelied gleichzeitig in vielerlei Weise die Liebesbeziehung von Christus (im Bild Salomo) und seiner Gemeinde (im Bild Sulamith) aufzeigt. Für unser Glaubensleben und unsere Beziehung zu Gott ist seine Liebe zu uns und unsere Liebe zu ihm keine Nebensache, sondern ganz grundlegend und entscheidend.
Gottes Liebe zu uns
In Kapitel 1 Vers 2 beginnt Sulamith mit den Worten: „Er küsse mich mit Küssen seines Mundes, denn deine Liebe ist köstlicher als Wein.“ Ist es nicht so, dass Christi Liebe zu uns unvergleichlich ist? Er ging so weit, für uns Ungerechte zu sterben. Heute ist er immer bei uns und steht allezeit für uns ein (siehe Matthäus 28:20, Hebräer 7:25). In Jesaja 49:15-16a bezeugt Gott seine Liebe zu uns sogar mit diesen Worten: „Vergisst etwa eine Frau ihren Säugling, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Sollten selbst diese vergessen, ich werde dich niemals vergessen. Siehe, in meine beiden Handflächen habe ich dich eingezeichnet.“ Sulamith spricht in Kapitel 1:5 von sich, dass sie schwarz wie die Zelte Kedars sei, und zur gleichen Zeit doch auch anmutig wie die Zeltdecken Salomos. Unser alter, gefallener Mensch ist Gott nicht wohlgefällig, und doch liebt er uns und bringt durch sein neues Leben in uns Herrlichkeit hervor. Tag für Tag lernen wir, Christus als unser neues Kleid anzuziehen (siehe Kolosser 3:9-10).
Unsere Liebe zu ihm
Gott wünscht sich auch, dass wir ihn mehr und mehr kennenlernen. In Hohelied 1:4 heißt es: „Der König möge mich in seine Gemächer führen!“ Halleluja! Gott möchte uns nicht nur in seiner Empfangshalle oder seinen Vorräumen empfangen, sondern uns in eine tiefe und persönliche Beziehung mit ihm führen, in der er uns auch sein Herz öffnet. Kapitel 2:16 zeigt: „Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein.“ Auch das dürfen wir in unserem Glaubensleben erfahren. Zu Beginn haben wir uns bestimmt besonders gefreut, dass wir den Herrn haben und wie reich er für uns ist. Dann merken wir aber auch, dass wir ihm gehören und fragen zunehmend: Herr, was kann ich für dich tun? Wie möchtest du mich heute für deinen Willen und Plan gebrauchen?
Hindernisse ausräumen
An mehreren Stellen des Hohelieds wird auch klar, dass unsere Beziehung zum Herrn umkämpft ist und Hindernisse ausgeräumt werden müssen. Salomo vergleicht Sulamith in Kapitel 2:1 mit einer Lilie unter den Dornen. So dürfen auch wir üben, dass unsere Beziehung zu Gott nicht unter den Sorgen, Vergnügungen und Reichtümern dieser Welt erstickt wird, sondern wir unbekümmert auf ihn vertrauen, ihn genießen und ihn in aller Einfachheit zum Ausdruck bringen (siehe Matthäus 13:22, Matthäus 6:28-29). Oft ruft der Herr uns auch, wenn unsere Seele verstrickt oder gefangen ist, und macht uns frei. Im Bild gesprochen drückt das Hohelied dies in folgenden Worten aus: „Siehe, da steht er vor unserer Hauswand, schaut durch die Fenster herein, blickt durch die Gitter. Mein Geliebter erhebt seine Stimme und spricht zu mir: Mach dich auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm!“ (Hohelied 2:9b-10). Später werden in Kapitel 2:15 noch die kleinen Füchse erwähnt. Diese wirken auf den ersten Blick vielleicht harmlos und niedlich, aber verderben die Weinberge und sind aus biblischer Sicht unreine Tiere. Daher gilt es, sie zu fangen. So sollen auch wir achtsam sein, dass in uns nichts aufwächst, was Schaden verursacht. Ein Beispiel hierfür ist, was und wie wir reden: „Siehe, auch die Schiffe, die so groß und von heftigen Winden getrieben sind, werden durch ein sehr kleines Steuerruder gelenkt, wohin das Trachten des Steuermanns will. So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich großer Dinge. Siehe, welch kleines Feuer, welch einen großen Wald zündet es an!“ (Jakobus 3:4-5).
Vielleicht merken wir immer wieder, wie begrenzt und unfähig wir selbst aus uns heraus sind. Wir dürfen aber ermutigt sein, weil der Herr über unsere Vorstellung hinaus fähig ist, Großes zu tun. Sulamith beschreibt Salomo zum Beispiel als „eine Blütentraube vom Hennastrauch (…) aus den Weinbergen von En-Gedi“, einer blühenden Oase mitten in einer trockenen Wüste (Kapitel 1:14), oder als einen, der über die Berge springt und Hügel hüpft (Kapitel 2:8) – er ist in der Lage, jedes Hindernis und jede Schwierigkeit in unserem Leben zu überwinden.
Gemeinsam den Herrn lieben
Schließlich haben wir in unseren Gemeinschaften über das Hohelied auch genossen, dass wir unsere Liebesbeziehung zum Herrn nicht nur individuell ausleben. Sulamith fragt in Kapitel 1:7a: „Erzähle mir, du, den meine Seele liebt, wo weidest du? Wo lässt du lagern am Mittag?“ Die Antwort in Vers 8 ist: „Wenn du es nicht weißt, du Schönste unter den Frauen, so geh hinaus den Spuren der Herde nach und weide deine Zicklein bei den Wohnstätten der Hirten!“ Dieser wunderbare Vers zeigt, dass uns die Geschwister, die Spuren der Herde, näher zum Herrn bringen, besonders, wenn wir uns einmal fern von ihm befinden. Der Vers zeigt auch, dass wir einander weiden sollen. Als Petrus dem Herrn Jesus sagte, dass er ihn liebhabe, bat dieser ihn wiederholt: „Weide meine Lämmer und Schafe!“ (Johannes 21:15-17). Ein weiteres Bild für das Gemeindeleben ist das Weinhaus in Hohelied 2:4, in das Salomo seine Geliebte Sulamith hineinführt. Im Gegensatz zu den persönlichen Gemächern in Kapitel 1:4 ist das Weinhaus ein Ort, an dem viele Menschen zusammenkommen, um voller Freude gemeinsam zu feiern und zu genießen. Das war auch das kostbare Zeugnis der ersten Christen, wie es in Apostelgeschichte 2:46-47 beschrieben wird: „Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel und Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet wurden.“
